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Mehr Mut, mehr Vertrauen: Was die Freien Berufe von Europa erwarten

Meine These

Europa muss den Menschen, die Verantwortung tragen, wieder mehr zutrauen. Das heißt: weniger neue Vorschriften und Kontrollen, mehr Raum für fachliches Urteil und der Mut, notwendige Veränderungen anzupacken.

Was ich in Mainz gehört habe

Bei einem Politischen Abend im Mainzer Landtag haben knapp 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und den Freien Berufen darüber diskutiert, wie sich die Freien Berufe und damit die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft eines Landes stärken lassen. Ich habe die Podiumsdiskussion moderiert. Vertreter der Architekten, Apotheker und Steuerberater haben drei Anliegen formuliert, die sich erstaunlich ähnelten:

  • Einfachere und schnellere Verfahren, vom Bauen bis zur digitalen Verwaltung.
  • Qualität statt des billigsten Preises, vor allem bei der Vergabe von Planungsleistungen.
  • Vertrauen und Unabhängigkeit: Vertrauen in die Kompetenz der Berufe und Schutz ihrer Unabhängigkeit vor renditegetriebenen Interessen.

Zwei Begriffe sind mir dabei besonders im Kopf geblieben: Mut und Vertrauen.

Warum das auch eine europäische Frage ist

Vieles, was Freie Berufe im Alltag betrifft, wird in Brüssel mitentschieden: Vergaberecht, Regeln für Berufe, Datenschutz, Digitalisierung. Drei Beispiele:

Bürokratieabbau. Die Europäische Kommission hat sich vorgenommen, die Verwaltungslasten für Unternehmen um mindestens 25 Prozent zu senken, für kleine und mittlere Unternehmen um 35 Prozent. Dazu dienen die sogenannten Omnibus-Pakete.

Qualität statt Preis. Der Vorschlag der Kommission für einen Public Procurement Act vom 9. September 2026 sieht vor, dass bei öffentlichen Aufträgen im Regelfall das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zählt und nicht der niedrigste Preis.

Regeln für Berufe. Nach der EU-Richtlinie 2018/958 müssen die Mitgliedstaaten vor neuen Berufsregeln prüfen, ob sie verhältnismäßig sind, und die Betroffenen anhören. Das gehört zu den Instrumenten, die unnötig strenge Regulierung verhindern sollen.

Meine Einschätzung

Mehr Vertrauen heißt nicht weniger Verantwortung. Standards und Haftung bleiben. Entscheidend ist, was davon bei den Menschen vor Ort ankommt:

1. Bei kleinen Büros und Praxen. Der Abbau von Bürokratie muss dort spürbar werden, wo Fachleute arbeiten, und nicht nur in Brüsseler Statistiken.

2. In der Gewichtung. Bei Planungsleistungen muss die Qualität deutlich vor dem Preis gewertet werden.

3. Bei der Unabhängigkeit. Sie ist kein Privileg der Berufe, sondern ein Schutz für alle, die auf ihr unabhängiges Urteil angewiesen sind: Patienten, Mandanten und Bauherren.

Die Frage, die mich seitdem beschäftigt: Wie schaffen wir wieder mehr Vertrauen statt immer neuer Vorschriften und Kontrollen?

Stand: Oktober 2026.