Europas Vorsorge hängt von Fachleuten ab, die handeln können
Der politische Hintergrund
Mit der Preparedness Union Strategy vom März 2025 hat die EU Vorsorge zu einem Querschnittsthema gemacht. Sie verfolgt einen Ansatz, der alle Gefahren und die ganze Gesellschaft einbezieht, und nennt 30 Schlüsselmaßnahmen, darunter Mindestanforderungen an die Vorsorge für wesentliche Dienste, Aufklärung der Bevölkerung, Zusammenarbeit von zivilen und militärischen Stellen sowie Partnerschaften mit der Wirtschaft. Im Juli 2025 folgte eine EU-Bevorratungsstrategie.
Offen ist die Umsetzung. Analysten, etwa in einem Policy Brief der Bertelsmann Stiftung, warnen, die Strategie könne zu breit werden, wenn sie nicht auf wenige klare Prioritäten zugespitzt wird.
Vorsorge ist kein Strategiepapier. Es geht darum, ob Europa noch funktioniert, wenn etwas schiefgeht. Das ist die zentrale Botschaft, die ich vom 10. Tag der Freien Berufe des EWSA in Brüssel mitnehme.
Meine Einschätzung
1. Vorsorge muss Teil der alltäglichen europäischen Politik werden. Wir können Resilienz nicht erst aufbauen, wenn die Krise schon da ist. Abstimmung, klare Zuständigkeiten und praxistaugliche Regulierung müssen vorher stehen.
2. Resilienz wird durch fachliche Expertise real. Ingenieure halten die Infrastruktur am Laufen. Architekten planen für sich wandelnde Risiken. Ärzte, Apotheker und Fachleute des öffentlichen Gesundheitswesens sichern die Kontinuität der Versorgung. Die Freien Berufe stehen nicht am Rand der Vorsorge. Sie sind Teil der Handlungsfähigkeit Europas.
3. Digitale Vorsorge ist heute berufliche Vorsorge. Cybersicherheit, KI, Datenschutz und menschliche Aufsicht lassen sich nicht mehr vollständig an „die IT-Abteilung“ delegieren. Sie berühren zunehmend den Kern beruflicher Verantwortung, Unabhängigkeit und des Vertrauens.
4. Europa muss denen vertrauen, die Verantwortung tragen. Vorsorge darf nicht heißen, einfach eine weitere Regelschicht hinzuzufügen. Wir brauchen starke Standards und Verantwortlichkeit, aber auch berufliche Unabhängigkeit und genug Spielraum, damit Experten ihr Urteilsvermögen einsetzen können, wenn es darauf ankommt.
Das Fazit
Ein resilientes Europa braucht starke Institutionen. Aber es braucht auch starke Berufe. Nach zehn Ausgaben des Tags der Freien Berufe ist eines klar: Die Freien Berufe haben in Brüssel eine starke Stimme, und es gibt gute Gründe, sie noch zu stärken.
Wo ist Europa Ihrer Meinung nach heute am wenigsten vorbereitet: Infrastruktur, Gesundheit, Cyber, Regulierung oder ganz woanders?
Stand: Oktober 2026.
